Kandidaten

Natalia Vukolova

Historikerin

Geboren in Moskau (Russland). Geschichte- und Französischstudium an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität. Lebt in Frankfurt seit 1997.

"Als es Zeit war, für meine Kinder eine Grundschule in Frankfurt zu finden, war ich bitter enttäuscht: Das, was in Moskau selbstverständlich war, erwies sich hier als unmöglich. Ich meine Grundschulen mit intensivem fremdsprachlichem Unterricht ab der 1. oder der 2. Klasse. Aus dieser Situation entstand 2001 der Verein zur Pflege der russischen Kultur Slowo e.V., dessen erstrangiges Ziel Organisation von Russischkursen für Kinder und Jugendliche und der Traum die Gründung einer regulären bilingualen deutsch-russischen Schule in Frankfurt war. In neun Jahren der Vereinsarbeit kommen wir diesem Traum Schritt für Schritt näher: Ca. 250 Schüler der 1. bis zur 10. Klasse lernen mittlerweile Russisch in der sogenannten Samstagsschule, 140 Kinder von 3 bis 6 Jahren besuchen die russische Vorschule, 143 Kinder lernen nach der Immersionsmethode beide Sprachen in drei deutsch-russischen Kindertageseinrichtungen Nezabudka. Und die Nachfrage wächst und wächst... In neun Jahren haben wir viele Erfahrungen gesammelt und stellen heute fest, dass Erziehung zur Zweisprachigkeit auf kompetentem Niveau möglich ist, dass alle "unsere" Kinder problemlos und ohne Zurückstellung eingeschult werden, dass sie fröhlich, neugierig, welt- und kulturenoffen heranwachsen und dass immer mehr Familien anderer Nationalitäten - Deutsche, Franzosen, Bulgaren, Serben, Rumänen - ihre Kinder in unseren deutsch-russischen Kindergärten anmelden. Heute sind wir unserem Traum von der Gründung einer bilingualen Grundschule bereits viel näher gekommen. Leider begegnen wir noch immer dem Widerstand der Beamten und den Ängsten und Vorurteilen von Mitbürgern.

Dabei könnte die Gründung einer Reihe von bilingualen Schulen mit Partnersprachen größerer Migrantengruppen - wie z.B. Russisch, Türkisch, Arabisch, Polnisch, Chinesisch - im multinationalen Frankfurt ein richtiges Integrationsprojekt werden: Durch Schulen, die die deutschen und die ausländischen Kinder vereinen, wo sie nicht nur neben einander, sondern auch mit- und voneinander lernen, wo die natürliche Mehrsprachigkeit gefördert wird, wo sich jedes Kind wertgeschätzt erfährt und sich einbringen kann, wo die interkulturelle Erziehung zum Schulalltag gehört und wo die vielfältige schulische Gemeinschaft auf das Leben in der globalisierten vielfältigen Welt vorbereitet wird. Für die Etablierung solcher Schulen in Frankfurt will ich mich besonders einsetzen."

 

Alina Bensch

Rechtsanwältin

Geboren in Baku (Aserbaidshan). Psychologie- und Englischstudium an der Staatsuniversität Dnepropetrowsk. Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen. Lebt in Frankfurt seit 2008.

"Ich wünsche, dass sich die Vorstellung über die Ausländer in der deutschen Gesellschaft ändert. Dass man in einem Ausländer nicht in erster Linie jemanden sieht, der mittellos und schlecht gebildet, ohne Deutschkenntnisse und ohne Bereitschaft ist, sich in Deutschland zu integrieren. Viele von denen, die in verschiedenem Alter und aus verschiedenen Gründen nach Deutschland gekommen sind, unternehmen sehr viel, um ihren eigenen Platz in Deutschland zu finden. Leider hört man viel über die Schwierigkeiten und Probleme der Integration und weiß viel zu wenig darüber, welchen Weg diejenigen gegangen sind, die sich erfolgreich integriert haben.

Auf jeden Fall ist die Integration ohne Bildung - sei es das Erlernen der deutschen Sprache, Ergreifen eines neuen Berufes oder Aneignen von Fertigkeiten, die im neuen Leben unabdingbar sind - unmöglich. Ich möchte, dass sich die Bildungsangebote für Ausländer erweitern. Gleichzeitig ist es sehr wichtig, dass die Ausländer von den Möglichkeiten, die sie hier haben, wissen und diese auch nutzen. Ich glaube, dass persönliche Erfahrung des Einzelnen, die Sprache und die Kultur von vielen Ausländern in Frankfurt das Leben hier interessanter und spannender machen."

 

Larissa Lepore

Lehrerin    

Geboren in Liepaja (Lettland). Studium zum Lehramt an der Staatlichen Hochschule für Pädagogik zu Liepaja. Lebt in Frankfurt seit 1998. 

"Als ich nach Frankfurt kam, hat mich hier alles fasziniert: Ordnung, Sauberkeit, Freundlichkeit, Mehrsprachigkeit und verschiedene Nationalitäten, die in der Stadt leben. Ich habe mich hier sofort zu Hause gefühlt. Aber nicht allen Migranten ging es so, wie mir. Sehr viele hatten Schwierigkeiten, konnten keinen Anschluss finden. Heute gibt es noch viele, die nur in eigenen Kulturkreisen unter sich kommunizieren und nicht mal versuchen, sich zu integrieren. Damit die Integration stattfindet, sollte man die verschiedenen Kulturkreise mit der deutschen Kultur vermischen. Und das kann schon ab dem 3. Lebensjahr passieren, wenn man die beitragsfreien Kindergärten in Frankfurt für alle ermöglicht.

Ich bin für beitragsfreien Kindergarten in Frankfurt für alle!"

 

Denis Jaremitsch

Historiker

Geboren in Leningrad (Russland).

 

Natalia Tolstova

Philologin

Geboren in Moskau (Russland). Studium der russischen Sprache und Literatur an der philologischen Fakultät der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität mit Schwerpunkt "Russisch als Fremdsprache". Lebt in Frankfurt seit 2000.

"Nur die Kenntnisse über die eigene Kultur und der eigenen Sprache eröffnen uns den Weg zur Weltkultur und machen uns zu Weltbürgern."

 

 

Albert Gouchtchine

Informatiker

Geboren in Nowosibirsk (Russland).

Informatikstudium an der Technischen Universität in Sankt Petersburg. Lebt in Frankfurt seit 1998.

"Die Migration heute hat kein Gesicht. Vielleicht das Einzige, was uns verbindet, ist der Wunsch, dass unsere Kinder unsere Sprache sprechen. Ich stelle mir keinen Isolitianismus vor, indem man sagt: Ich brauche nichts mehr, ich bin perfekt -, sondern die Möglichkeit, von beiden Kulturen das Beste zu nehmen, um im Endeffekt auf zwei starken Beinen zu stehen und auch die Gesellschaft davon profitieren zu lassen. Man kann auch ohne Verzicht auf eigene Kultur in eine andere Kultur reinwachsen.

Und das hoffe ich auch, in der zweiten Generation beweisen zu können."

 

 

Ekaterina Golovin

Lehrerin

Geboren in Aksakowka (Kasachstan). Lehramtstudium an der Permer Staatlichen Pädagogischen Hochschule mit Schwerpunkt "Russische Sprache und russische Literatur". Ausbildung zur Erzieherin an der Berta-Jourdan-Schule Frankfurt. Lebt in Frankfurt seit 2002.

"Während  meines Lebens in Deutschland und der Arbeit in der internationalen und der bilingualen Kindertageseinrichtungen wird mir immer klarer, dass unsere Kinder nicht zwangsläufig zukünftige Bevölkerung eines bestimmten Landes sein werden: Deutschland oder Russland. Die Welt steht ihnen offen, sie sind Kinder des Planeten Erde. Integrieren werden sie sich in die Weltgemeinschaft müssen. Dafür brauchen sie Kenntnisse, gute Bildung, Entwicklung der individuellen Fähigkeiten, Bezug zu eigenen Wurzeln und Gedächtnis über die Zugehörigkeit zu "ihrem Stamm". Dies den Kindern zu ermöglichen, ist unsere Aufgabe.

Ich bin daher für Bildung, die zur Integration und zur Selbstbestimmung führt."

 

 

Vladimir Krasnov

Grafikdesigner

Geboren in Stavropol (Russland). Graphik-Studium am Moskauer Staatlichen Akademischen Surikov-Institut. Lebt in Frankfurt seit 1994.

 

Elena Ziegler

Erzieherin

Geboren in Taisara (Russland).

 

 

Evgeny Golovin

Ingenieur

Geboren in Jurjewka (Ukraine). Absolvierte Kiewer Staatliche Ingenieur-Technische Hochschule. Lebt in Frankfurt seit 2002.

 

 

Anna Stepanenko

Linguistin

Geboren in Stavropol (Russland). Studium der Fremdsprachen (Deutsch und Englisch) und Pädagogik an der Moskauer Staatlichen Linguistischen Universität. Promotion auf dem Gebiet der kognitiven Linguistik. Seit 1994 Aufenthalt in Deutschland, seit 2008 lebt in Frankfurt.

Elena Smurago

Ingenieurin

Geboren in Chmelnizky (Ukraine). Studium an der Moskauer Hochschule für Transportbauwesen, Qualifikation "Brückenbauingenieurin". Lebt in Frankfurt seit 1999.

"Seit acht Jahren unterrichte ich an der russischen Samstagsschule Slowo, um Migrantenkindern ihre Herkunftskultur als Bestandteil der Weltkultur zu vermitteln, damit sie über ihre Wurzeln wissen und Kontakt zu ihren Eltern nicht verlieren.

Integration in die deutsche Gesellschaft sollte meines Erachtens nicht in der Gegenüberstellung von zwei Kulturen - der deutschen und der der Migranten - stattfinden, sondern indem man den Kindern  klarmacht, dass jede Kultur Bestandteil der Weltkultur ist und da einen würdigen Platz einnimmt. Nur durch Anerziehung des respektovollen Umgangs mit der russischen Kultur können wir unseren Kindern, die mehr und mehr Deutsche werden, die Vielfältigkeit und Wertbarkeit der Weltkultur vermitteln, deren Träger sie sein werden. Integration in die Weltkultur ist nötig, weil der Mensch der Zukunft ein Mensch der Weltgemeinschaft sein wird. Solche Erziehung ist im demokratischen Staat Deutschland möglich und nötig."

 

 

Semen Kletserman

Ruheständler

Geboren in Odessa (Ukraine). Studium der Wirtschaft an der Odessaer Fachhochschule für Landwirtschaft. 1979 promovierte in Odessa zum Doktor der Wirtschfaftswissenschaften. Lebt in Frankfurt seit 1997.

"Schach wie die Musik kennt keine Sprachbarrieren. Das Motto der Internationalen Schachföderation lautet: Gens una sumus (Wir sind eine Familie). Schach verbindet. Durch Schach habe ich viele Freunde in Frankfurt und überall, wo ich gespielt habe, gewonnen. Seit 2001 unterrichte ich Schach an verschiedenen Schulen und habe Erfahrungen gemacht, dass das Schachspiel den ausländischen Kindern hilft, sich schneller in die neue fremdsprachige Umgebung zu integrieren und ihre Persönlichkeit besser zu entfalten. Deshalb ist mein Programm - Integration durch Schachbildung."

 

Elena Ginovker

Lehrerin

Geboren in Ulan-Ude (Russland). Lehramtstudium an der Staatlichen Pädagogischen Bansarow-Hochschule in Ulan-Ude. Diplomant des Wettbewerbs "Lehrer des Jahres". Lebt in Frankfurt seit 2007.

"Ich habe Glück gehabt! Auch hier in der Fremde übe ich meinen Lieblingsberuf aus. Ich bin Grundschullehrerin, unterrichte Russisch im Verein Slowo e.V. und bin mächtig stolz auf meine kleinen Schüler: Trotz der doppelten Belastung - neben dem Unterricht an regulären deutschen Schulen, lernen die Kinder samstags Russisch - sind die Leistungen unserer Schüler in den deutschen Schulen überdurchschnittlich gut, es kommt nicht selten vor, dass sie in den deutschen Schulen die Klasse überspringen. Für mich sind diese Tatsachen ein weiterer Beweis dafür, dass unsere Methodiken effektiv und richtig sind.

Ich würde sehr gerne meine pädagogischen Erfahrungen mit den deutschen Kollegen teilen, mit ihnen über die Fähigkeiten der Kinder im Grundschulalter austauschen. Ich hoffe, dass es eines Tages möglich sein wird und wir zusammen arbeiten werden können zum Wohle der Kinder und der Zukunft Deutschlands."

 

 

Sergej Sentschenko

Ingenieur

Geboren in Fjodorowka (Kasachstan). Studium an der Staatlichen Hochschule für Landwirtschaft in Kustanai, Qualifikation "Ingenieur-Mechaniker". Seit 2000 lebt in Deutschland, seit 2009 in Frankfurt.